Glaubenssätze und Blockaden

Um zu verstehen, warum ein Mensch für Außenstehende irrational agiert, anstatt ganz offensichtlich „vernünftig„, muss man herausfinden, auf welcher Basis ein Beteiligter „entscheidet“ oder reagiert. Und diese Basis liegt immer (!) im Unterbewussten „versteckt„.

Halten Sie es für denkbar, dass sich Ihr komplettes Leben und Denken um früh gelernte Glaubenssätze dreht, die ggfs. zu Blockaden oder „irrational erscheinenden“ Verhaltensweisen führen. Das halten Sie für übertrieben? Dann überlegen Sie sich bitte, ob Sie schon mal folgende Situationen (oder etwas Vergleichbares) erlebt haben, entweder bei sich selbst oder bei Dritten:

Kindergarten
Fast alle Kinder spielen miteinander. Nur ein Kind darf nicht mitspielen und bleibt außen vor. Es verinnerlicht, bei den anderen nicht erwünscht zu sein.

Kinderzimmer
Das Kinderzimmer des Bruders oder der Schwester ist aufgeräumt, das eigene Kinderzimmer ein Tohuwabohu. Die Mutter schenkt nur dem Bruder oder der Schwester ein Eis. Das Kind registriert, die Mama hat mich weniger lieb.

Einschulung
Alle anderen Kinder haben größere Schultüten. Das Kind mit der kleineren Schultüte verinnerlicht, dass alle anderen Kinder mehr wert sind oder mehr geliebt werden.

Schule
Alle anderen Kinder schreiben gute Noten, so scheint es. Das Kind mit den schlechteren Noten verinnerlicht, dumm zu sein und bekommt die Bestätigung z.B. vom Lehrer.

Clique
Alle Kumpels haben ein Mofa. Der/Die Jugendliche ohne Mofa gehört irgendwie nicht dazu und hat das Gefühl, irgendetwas tun/beweisen zu müssen, um trotzdem akzeptiert zu werden.

Diese Beispiele kann ich in beliebiger Stückzahl aufführen, wobei diese Beispiele wahrscheinlich ausreichen, um den Kern zu sehen. Wichtig zu erkennen ist, dass es nicht möglich ist, ohne „falsche“ Glaubenssätze aufzuwachsen bzw. zu leben. Es ist wirklich nicht möglich. Jeder, absolut jeder Mensch hat Situationen erlebt, die er anders interpretiert und verinnerlicht hat, als sie womöglich gemeint waren und von anderen Betrachtern bewertet werden würden. Ganz sicher passiert dies jeden Tag immer wieder, wobei die Relevanz im Normalfall mit zunehmendem Alter abnimmt.

Ärgerlich ist, dass man sich an „falsche“ und negative Denkmuster gewöhnen kann. Wenn man tausend Mal gehört hat „Du kannst das nicht“, dann wird man dies irgendwann für „wahr akzeptieren“. Wenn man in der Folge etwas erlebt, was dieses unterbewusste Denkmuster bestätigt, dann wird man dieses Muster nicht mehr hinterfragen, sondern „Na klar, so ist das eben“ denken.

Um etwas Gegensächliches erreichen zu können, also etwas, was diesem „falschen“ Glaubenssatz widerspricht, muss man den „falschen“ Glaubenssatz auflösen. Ansonsten wird das eigene Unterbewusste immer wieder die Programmierung dahingehend interpretieren, dass das „neue Ziel“ eigentlich nicht geglaubt wird, also nicht erreicht werden will. Man muss unweigerlich die in den meisten Fällen kindlichen Sabotageprogramme löschen, bevor überhaupt neue Wege erfolgreich beschritten werden können.

Für die Submediation bedeutet dies, dass eine offenbar verfahrene Situation, bei der keine Einigung möglich erscheint, nur deshalb keiner schneller Lösung zugeführt werden kann, weil die Standpunkte der gegensätzlichen Parteien auf unterbewusst verankerten Glaubenssätzen beruhen, die sich in der jeweiligen Situation als Entscheidungskompass nicht zur Seite schieben lassen.

Somit ist es im Zuge einer Submediation unerlässlich, dass alle Beteiligten bereit sind, sich ihrer unterbewussten „Baustellen„, die sich z.B. in Form von Glaubenssätzen zeigen, zu stellen und zu verstehen, im Optimalfall unter Anleitung aufzulösen.